Ihr sucht einen Trauspruch und merkt schnell: Es gibt Tausende davon, und irgendwie klingen die meisten schön, aber keiner klingt nach euch. Das geht fast allen Paaren so. Ich zeige euch, wie ihr aus dieser Menge den einen Satz herausfischt, der wirklich zu euch gehört, welche Sprüche sich seit Jahrzehnten bewähren und was hinter ihnen steckt.
Was ein Trauspruch eigentlich ist

Ein Trauspruch ist ein kurzer Satz, den ihr euch als Paar für eure Trauung aussucht. Kein Versprechen, das ihr euch gegenseitig gebt, sondern eher ein Motto über eurem gemeinsamen Weg. Etwas, das über euch beiden steht und euch begleitet, auch noch Jahre später, wenn der Hochzeitstag längst vorbei ist.
Wichtig ist die Unterscheidung zum Eheversprechen: Das Versprechen sprecht ihr euch gegenseitig zu, in euren eigenen Worten, oft mit zitternder Stimme. Der Trauspruch dagegen ist ein Satz, den ihr gemeinsam auswählt, meist von jemand anderem formuliert. Viele Paare haben beides, und beides erfüllt einen anderen Zweck.
Muss ein Trauspruch aus der Bibel sein?
Diese Frage höre ich sehr oft, und sie hat eine klare Antwort: Es kommt darauf an, wo ihr heiratet. In der evangelischen Kirche ist der Trauspruch traditionell ein Bibelvers, das gehört dort zur Form. Bei einer katholischen Trauung darf es unter Umständen auch ein anderer Text sein, das besprecht ihr am besten direkt mit eurer Gemeinde.
Bei einer freien Trauung gibt es keinerlei Vorgabe. Kein Buch, keine Institution, keine Liste, aus der ihr wählen müsst. Euer Trauspruch darf ein Bibelvers sein, eine Zeile aus einem Gedicht, ein Songtext, ein Satz aus einem Film oder etwas, das ihr selbst formuliert. Ihr müsst nicht einmal einen haben. Manche Paare wollen bewusst keinen, weil ihnen ihr Versprechen genügt, und das ist völlig in Ordnung.
Trausprüche aus der Bibel, die seit Jahrzehnten tragen
Auch bei freien Trauungen greifen Paare zu biblischen Versen, weil diese Sätze über Jahrhunderte Bestand haben und an Bedeutung nichts verloren haben:
- Hohelied 8,7: „Viele Wasser können die Liebe nicht auslöschen, noch die Ströme sie ertränken.“ Der wohl kraftvollste Vers über die Widerstandsfähigkeit von Liebe. Er verspricht keine heile Welt, sondern sagt: Da kommt etwas, und es hält.
- 1. Korinther 13,4 und 5: „Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht, sie stellt sich nicht ungebärdig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu.“ Kein Vers beschreibt gelebte Liebe im Alltag genauer: nicht das große Gefühl, sondern die tägliche Entscheidung, geduldig und freundlich zu bleiben.
- 1. Korinther 13,13: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ Der Klassiker unter den Klassikern, und genau das ist sein einziges Problem.
Trausprüche aus der Literatur
Wenn euch die Bibel zu kirchlich ist, findet ihr in der Literatur wunderbare Alternativen. Mein persönlicher Favorit stammt von Rainer Maria Rilke, der über die Liebe schrieb, sie bestehe darin, „daß zwei Einsamkeiten einander schützen, grenzen und grüßen“.
Ich mag diesen Satz so sehr, weil er etwas zugibt, was die meisten Trausprüche verschweigen: dass ihr zwei eigenständige Menschen bleibt. Ihr verschmelzt nicht, ihr werdet keine Einheit, in der niemand mehr weiß, wo der eine aufhört. Ihr bleibt zwei, und ihr passt aufeinander auf. Für viele Paare, die sich vor dem Gedanken fürchten, sich selbst zu verlieren, ist das ein sehr befreiender Satz.
Fast überall im Netz steht, dieser Satz stamme aus Rilkes „Briefen an einen jungen Dichter“. Das stimmt nicht. Er kommt aus einem Brief, den Rilke am 17. August 1901 an Emanuel von Bodman schrieb. Falls ihr den Spruch in eure Karten drucken lasst und die Quelle dazuschreiben möchtet, wisst ihr jetzt die richtige.
Der meistzitierte Trauspruch überhaupt stammt vermutlich von Antoine de Saint-Exupéry und sagt sinngemäß, Liebe bestehe nicht darin, einander anzusehen, sondern gemeinsam in dieselbe Richtung zu blicken. Ein schöner Gedanke, der allerdings so oft zitiert wird, dass er bei vielen Gästen nur noch ein zustimmendes Nicken auslöst und keinen Moment mehr.
Der beste Trauspruch ist nicht der schönste. Es ist der, bei dem ihr euch anschaut, wenn er vorgelesen wird.
Sollen wir euren Satz gemeinsam suchen?
In einem kostenlosen Kennenlerngespräch erzählt ihr mir eure Geschichte. Oft steckt euer Trauspruch längst darin, ihr habt ihn nur noch nicht gehört.
Kostenlos anfragenIn vier Schritten zu eurem Trauspruch
Der häufigste Fehler bei der Suche ist, dass Paare gemeinsam vor einer langen Liste sitzen und sich durchscrollen. Nach vierzig Sprüchen klingt alles gleich und nichts mehr besonders. Probiert es lieber so:
- Jeder für sich: Geht getrennt auf die Suche und sammelt fünf bis acht Sprüche, die euch ansprechen. Ohne Absprache, ohne Rücksicht darauf, was der andere schön finden könnte.
- Vergleicht eure Listen: Meistens gibt es eine Überschneidung, und die ist Gold wert. Wenn nicht, schaut, welche Sprüche in eine ähnliche Richtung gehen. Das sagt euch schon viel darüber, was euch beiden wichtig ist.
- Sprecht sie laut aus: Das ist der Schritt, den fast alle überspringen. Ein Satz, der auf Papier großartig aussieht, kann gesprochen schwerfällig klingen. Lest euch die letzten drei gegenseitig vor.
- Der Zukunftstest: Fragt euch bei jedem Spruch, ob er in zehn Jahren immer noch stimmt. Ein Trauspruch soll nicht nur zum Hochzeitstag passen, sondern auch zu dem Tag, an dem ihr gerade nicht auf Wolke sieben schwebt.
Achtet auf den Moment, in dem einer von euch beim Vorlesen kurz stockt oder lacht oder den anderen ansieht. Das ist meistens euer Spruch. Der Körper weiß es oft früher als der Kopf, und ich habe es schon oft erlebt, dass Paare danach noch zwanzig Minuten weitersuchen, obwohl die Entscheidung längst gefallen war.
Wo euer Trauspruch bei der freien Trauung vorkommt
Anders als in der Kirche gibt es bei uns keinen festgelegten Platz dafür. Das ist ein Vorteil, denn wir können den Spruch genau dorthin setzen, wo er am meisten wirkt. Drei Möglichkeiten nutze ich am liebsten:
- Am Anfang: als Rahmen für alles, was danach kommt. Der Spruch gibt der Zeremonie ihren Grundton, und ich kann in der Rede immer wieder darauf zurückkommen.
- Vor dem Ja-Wort: als letzter ruhiger Moment, bevor es ernst wird. Das funktioniert besonders gut bei kurzen, klaren Sprüchen.
- Ganz am Schluss: als Satz, den eure Gäste mit nach Hause nehmen. Wenn er sitzt, ist er das Letzte, woran sich alle erinnern.
Wie eine freie Zeremonie insgesamt aufgebaut ist, habe ich im Beitrag zum Ablauf einer freien Trauung ausführlich beschrieben. Und falls ihr zusätzlich standesamtlich heiratet: Dort dürft ihr euren Spruch übrigens auch einbringen, das lässt sich fast immer einrichten. Wie sich beide Trauungen gut ergänzen, steht im Beitrag zu Standesamt und freier Trauung.
Was mir bei der Spruchsuche immer wieder begegnet
In 16 Jahren rund um Trauungen sehe ich ein paar Muster, die euch vielleicht Zeit und Diskussionen ersparen:
- Zu viele Sprüche auf einmal: Wer sich durch Hunderte Zeilen arbeitet, wird nicht sicherer, sondern müder. Nach einer Weile klingt alles gleich schön und deshalb gleich beliebig. Zwanzig gelesene Sprüche reichen oft völlig.
- Der Spruch von den Freunden: Auf der letzten Hochzeit war ein Satz dabei, der alle berührt hat. Bei euch entfaltet er selten dieselbe Wirkung, weil er zu einer anderen Geschichte gehörte. Er darf euch inspirieren, aber er muss zu euch passen.
- Ein Spruch, den nur einer mag: Wenn einer von euch nachgibt, um Frieden zu haben, merkt man das in der Zeremonie. Sucht in dem Fall lieber weiter, bis ihr beide nicken könnt.
- Der zu große Satz: Manche Sprüche versprechen ewige Glückseligkeit. Die schönsten Trausprüche sind meist die bescheidenen, die auch an einem grauen Dienstag noch gelten.
Kurz beantwortet
Braucht man bei einer freien Trauung überhaupt einen Trauspruch?
Nein. Es gibt keine Vorschrift, und ich habe wunderschöne Zeremonien ganz ohne erlebt. Viele Paare mögen ihn aber, weil er ihrer Trauung einen roten Faden gibt und weil man ihn später auf die Danksagungskarten drucken kann.
Darf ein Trauspruch aus einem Lied stammen?
Bei einer freien Trauung ja, sehr gern sogar. Wenn eine Liedzeile eure gemeinsame Geschichte trägt, ist sie oft ehrlicher als jedes Gedicht. Falls ihr die Zeile später drucken lassen wollt, klärt am besten kurz, ob ihr sie dafür verwenden dürft, denn moderne Liedtexte sind urheberrechtlich geschützt.
Kann man den Trauspruch selbst schreiben?
Unbedingt. Das sind sogar oft die schönsten. Wenn euch das schwerfällt, hilft euch der Beitrag mit Beispielen für Eheversprechen weiter, denn die Methode dahinter ist dieselbe: erst erinnern, dann formulieren.
Wann sollten wir uns entscheiden?
Sobald eure Einladungen gedruckt werden sollen, spätestens aber ein paar Wochen vor der Trauung. Ich brauche ihn rechtzeitig, damit ich ihn in die Rede einweben kann. Wer sich erst in der Woche davor entscheidet, hat trotzdem nichts verpasst, es wird nur hektischer als nötig.
Euer Satz muss nicht besonders sein, sondern wahr
Wenn ich Paare bei der Suche begleite, endet es fast nie bei dem Spruch, mit dem sie angefangen haben. Sie finden ihn nicht in einer Liste, sondern beim Erzählen. Irgendwann sagt einer von beiden einen halben Satz über den anderen, und im Raum wird es still. Das ist der Moment, in dem ich innerlich mitschreibe.
Deshalb macht euch keinen Druck. Euer Trauspruch muss nicht originell sein, nicht klug, nicht literarisch wertvoll. Er muss nur stimmen. Und wenn ihr ihn hört und euch dabei anschaut, dann habt ihr ihn gefunden. Alles Weitere ist meine Aufgabe: Ich sorge dafür, dass er an der richtigen Stelle steht und dass eure Gäste ihn nicht nur hören, sondern spüren. Mehr über meine Arbeit als freie Traurednerin erfahrt ihr auf der Startseite.
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